Trackingdifferenzen 2018 – die interessantesten Daten!

Die 2018er Tracking Differences sind (fast alle) da! Im ersten Quartal jedes Jahres veröffentlichen alle ETF-Anbieter ihre Performance-Zahlen des Vorjahres. Alle Anbieter? Nein, ein paar Gallier lassen sich etwas mehr Zeit. Traditionell hinken die französischen Anbieter ein bisschen hinterher. Aber das ist kein Problem, denn wir sind langfristig denkende Anleger.
Frühzeitig veröffentlichte etwa BlackRock (iShares) seine Zahlen, aber auch Xtrackers und ComStage bummelten nicht lange.

Kaum Überraschungen bei den Standardindizes

Beim marktbreiten MSCI World und MSCI ACWI gibt es keine Überraschungen. Die Trackingdifferenzen der ETFs auf diese Indizes liegen allesamt im akzeptablen Bereich unter 0.3%. Der HSBC MSCI World sticht durch eine Abweichung von -0.4% positiv hervor, nachdem der ETF bereits im letzten Jahr als Spitzenreiter den MSCI World um 0.3 Prozentpunkte geschlagen hatte. Im Dreijahres-Vergleich liegt seine Performance dann auch 1.4% vor den im Mittelfeld platzierten Xtrackers-ETFs und 2.5% vor ComStages MSCI World-ETF.

Beim MSCI Emerging Markets liegen 2018 die ETFs von SPDR und UBS mit Trackingdifferenzen von je 0.1% vorn, nach einem eher schwachen Wert von je 0.6% im Jahr 2017. Das Schlusslicht mit 0.8% bildet wie auch in den Jahren zuvor der Deka MSCI Emerging Markets. Im Vergleich zu den Vorjahren (1.5%, 1.3% und 1.2%) konnte Deka die Trackingdifferenz zwar verringern, ist aber nach wie vor kaum konkurrenzfähig. Auf Fünfjahressicht fehlen dem Deka-ETF fast sechs Prozent Performance auf den erstplatzierten und ca. vier Prozent auf einen ETF im Mittelfeld. Dies zeigt einmal mehr, dass es eben nicht egal ist, welchen ETF auf einen marktbreiten Index man auswählt. Auch bildet der Deka-ETF ein interessantes Gegenbeispiel zu der Behauptung, dass synthetische (Swap-basierte) ETFs ihren Vergleichsindex präziser abbilden.

Im „Emerging Markets“-Bereich gibt es zwei besonders interessante ETFs. Der SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap weist nach wilden Anfangsjahren 2012 bis 2014 nun sehr gute, negative Trackingdifferenzen aus und kann auch 2018 seinen Index um 0.8 Prozentpunkte schlagen. Sein Fondsvolumen wächst seit Jahren, liegt aber mit 70 Mio EUR immer noch auf niedrigem Niveau. Längst kein Geheimtipp mehr ist der iShares Core MSCI Emerging Markets IMI, der 2018 eine hervorragende TD von -0.3% aufweist. Für Anleger, die auch Schwellenländer-Nebenwerte im Portfolio haben wollen, ist dieser riesige ETF (Volumen: 10 Mrd. EUR) die Alternative zu „normalen“ ETFs auf den MSCI Emerging Markets. Seit letztem Jahr gibt es auch eine ausschüttende Variante des ETFs (für ihn sind noch keine Trackingdifferenzen verfügbar).

Die ETFs auf den MSCI Europe, den STOXX Europe 600 und den amerikanischen S&P 500 schafften durchweg respektable Trackingdifferenzen rund um den Nullpunkt.

Starke Abweichungen bei Xtrackers

Auffällig waren einzelne Trackingdifferenzen bei Xtrackers-ETFs. Vom Xtrackers S&P Select Frontier ist man hohe Trackingdifferenzen von bis über drei Prozent seit Jahren gewohnt. 2018 machte er mit 1.8% keine Ausnahme. Ungewohnt extreme (Xtreme?) Ausschläge gab es aber bei einigen Anleihen-ETFs. So verzeichnete der Xtrackers II Global Inflation-Linked Bond, immerhin ein Schwergewicht von einer halben Milliarde EUR, eine zehnmal höhere Trackingdifferenz als üblich (3.2% statt ca. 0.3% in den Vorjahren). Auch Investoren des ähnlich grossen Xtrackers II USD Emerging Markets Bond (früher: „EMLE“) mussten eine um 3.2 Prozentpunkte geringere Performance als beim Vergleichsindex verkraften. Weiterhin weichen der Xtrackers S&P 500 1C – EUR Hedged und der Xtrackers USD Corporate Bond 2D – EUR Hedged mit jeweils 2.9% erheblich von ihren Benchmarks ab. Währungssicherung kostet stets Geld, aber letztes Jahr waren die Abweichungen besonders groß.

Kuriositäten bei den Nischen-ETFs

Bei ComStage fällt die 2018er-Trackingdifferenz von -2.7% des ComStage STOXX Europe 600 Real Estate auf. ComStage gibt die Indexperformance des Jahres 2018 mit -13.7% allerdings auch deutlich schlechter an als beispielsweise iShares mit -10.5%. Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, die Daten der Fondsgesellschaften kritisch zu hinterfragen und zu vergleichen. ComStage ist übrigens seit längerem berüchtigt dafür, den S&P 500 Kursindex als Benchmark für ihren S&P 500-ETF zu verwenden und so seine Trackingdifferenzen massiv zu schönen.

Ähnlich auffällig ist der L&G E Fund MSCI China A, der 2017 und 2018 eine TD von beeindruckenden -3.2% ausweist. Ist es dem ETF wirklich gelungen, seinen Referenzindex zweimal hintereinander um mehr als 3% zu schlagen? Oder liegt hier ein Datenfehler vor? Bemerkenswert: auch iShares gibt für seinen iShares MSCI China A Trackingdifferenzen von -2.2% und -2.4% für 2017 bzw. 2018 an.

Der ComStage NYSE Arca Gold BUGS ist ein Beispiel dafür, wie eine relativ hohe TER von 0.65% seit Jahren nicht zwangsläufig zu einer schlechten Trackingdifferenz führt, bzw. wie wenig Prognosekraft die TER besitzt. Der ETF klebt förmlich an seinem Referenzindex. Generiert der ETF hohe Einnahmen durch Wertpapierleihe, weil Goldminen-Aktien bei Leerverkäufern besonders beliebt sind?

Die beiden „Small Cap Value Weighted“-ETFs von SPDR, namentlich der SPDR MSCI USA Small Cap Value Weighted und der SPDR MSCI Europe Small Cap Value Weighted galten bei ihrer Einführung vor wenigen Jahren als Hoffnungsträger der Faktor-Investoren. Lange hatten europäische Investoren keine Möglichkeit, in „Small Value“-Aktien zu investieren. Zwar weisen die SPDR-ETFs durchaus ansehnliche Trackingdifferenzen auf, doch ihr Fondsvolumen kommt nicht so recht vom Fleck. Er verharrt jeweils im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

2 Gedanken zu „Trackingdifferenzen 2018 – die interessantesten Daten!“

    • Guter Punkt. Zum Xtrackers Global Inflation-Linked Bond (DBX0AL) kann ich folgendes sagen.
      Zitat aus dem KIID:
      „Mit Wirkung zum 17. Mai 2018 wurde der Referenzindex der Anteilsklasse in den Bloomberg Barclays World Government Inflation-Linked Bond Index geändert.
      […]
      Die für 2018 dargestellte Wertentwicklung des Index basiert ausschließlich auf der Wertentwicklung des Bloomberg Barclays World Government Inflation-Linked Bond Index.“
      Als: Die 2018er ETF-Performance ist eine Mischung aus zwei Indizes, wird aber mit der Performance nur eines dieser beiden Indizes verglichen.

      Aber jetzt wird es interessant:
      „Der Referenzzeitraum 2017 zeigt eine gemischte Wertentwicklung des Bloomberg Barclays World Government Inflation-Linked Bond Index EUR Hedged (vom 24. April 2017 bis 31. Dezember 2017) und des IBOXX GLOBAL INFLATION-LINKED TOTAL RETURN INDEX HEDGED® (vom 1. Januar 2017 bis 23. April 2017).“
      Das bedeutet, schon am 24. April 2017 wurde auf den „Bloomberg Barclays World Government Inflation-Linked Bond Index“ umgestellt, allerdings auf die „EUR Hedged“-Variante. Ab 17. Mai 2018 wird dann der „Bloomberg Barclays World Government Inflation-Linked Bond Index“ ohne „EUR Hedged“ verwendet. Der ETF selbst realisiert aber immer noch die Währungssicherung, die natürlich etwas kostet. Werden diese Kosten nun einfach nur besser sichtbar, da das Hedging nicht mehr im Vergleichsindex enthalten ist?

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