Was ist die Tracking Difference?

Die Kennzahl „Tracking Difference“ (TD, auch „Tracking-Differenz“) gibt an, wie stark ein ETF auf Jahressicht von seinem Vergleichsindex abgewichen ist.

  • Eine positive Abweichung zeigt, dass seine Wertentwicklung geringer war als der Index
  • Eine negative Abweichung hingegen bedeutet, dass der ETF den Index „geschlagen“ hat

Die „Total Expense Ratio“ (TER), die für jeden ETF von seinem Anbieter vorab publizierte „Gesamtkostenquote“, hat interessanterweise kaum Aussagekraft über die zu erwartende Abweichung zwischen ETF- und Indexentwicklung. Die Tracking Difference ist also die „ehrlichere“ Kennzahl und Du solltest Sie bei jeder Investmententscheidung berücksichtigen.

Eine dauerhaft niedrige Tracking Difference ist nach obiger Definition also eine grundsätzlich wünschenswerte Eigenschaft eines ETFs.

Bitte beachte, dass TrackingDifferences.com die TD als Indexperformance – Fondsperformance definiert. Dies ermöglicht einen einfacheren Vergleich mit der TER. In anderen Publikationen wird die TD genau andersherum definiert, also als Fondsperformance – Indexperformance. Durch das vertauschte Vorzeichen verkehren sich natürlich auch alle aus der TD abgeleiteten Aussagen ins Gegenteil! Also prüfe die verwendete Definition, wenn an anderer Stelle TD-Werte angegeben werden!

Wie wird die Tracking Difference ermittelt?

Die TD eines ETFs lässt sich für jedes Jahr berechnen, wenn sowohl die Index- als auch die Fondsperformance veröffentlicht wurden. Dies tun die ETF-Anbieter jeweils kurz nach Ablauf jedes Kalenderjahres, z.B. in ihren KIID-Dokumenten. Manche früher, manche später. Der Grossteil der Daten auf trackingdifferences.com wird jeweils im ersten Quartal aktualisiert. Übrigens: die Angabe von kurzfristigen, z.B. monatlichen Tracking Differences ist nicht sinnvoll. Denn erst über lange Zeiträume lassen sich verlässliche Aussagen über die Qualität der ETF-Performance treffen.

Bei der Bewertung von TDs und insbesondere beim Vergleich von TDs solltest Du folgendes beachten:

  • Nicht jede Fondsgesellschaft verwendet auch genau das gebräuchliche Kalenderjahr für die Berechnung der beiden Performance-Angaben. Dies erklärt, dass ein und derselbe Index bei verschiedenen Anbietern für das gleiche Jahr leicht unterschiedliche Performance aufweist.
  • Bei grössere Abweichungen ist meist die Ursache, dass zwar der gleiche Index, aber unterschiedlichen Währungen verwendet werden.
  • Einzelne Anbieter verwenden auch einen Kursindex (dieser enthält keine Dividendenzahlungen), vergleichen dessen Entwicklung aber mit einer ETF-Performance, die Dividenden enthält. Diese irreführende Darstellung lässt den ETF jedes Jahr um etliche Prozentpunkte besser erscheinen als er es tatsächlich verdient hätte. Ein solches Vorgehen führt, sofern es erkannt wurde, zum Ausschluss des ETFs von TrackingDifferences.com.

Wie kann ein ein ETF seinen Index überhaupt schlagen, wenn doch Verwaltungsgebühren anfallen?

Richtig ist, dass die Verwaltungsgebühren immer anfallen. Kein ETF-Anbieter zahlt Dir dauerhaft Geld dafür, dass Du in sein Produkt investierst.

  • Eine Fondsgesellschaft kann aber zusätzliche Erträge erzielen durch den zeitweisen Verleih der Wertpapiere eines ETFs. Dieser Verleih erfolgt üblicherweise an Shortseller, also Marktteilnehmern, die auf fallende Kurse spekulieren. Diese Praxis ist weit verbreitet und unterliegt strengen regulatorischen Anforderungen. So muss der Leihende beispielsweise Sicherheiten hinterlegen und nur ein gewisser Teil der Wertpapiere eines ETFs darf überhaupt verliehen werden.
  • Der Vergleichsindex ist üblicherweise ein TRN („Total Return Net“)-Index. Das ist ein Index, dessen Entwicklung im Vergleich zum Brutto-Index um die jeweils maximal zu zahlenden Steuern reduziert ist (deshalb Net=Netto). Ein ETF-Anbieter kann nun versuchen, die Zahlung des maximalen Steuersatzes in den jeweiligen Ländern zu vermeiden. Das kann er zum Beispiel durch geschickte Wahl des Fondsdomizils und dem Ausnutzen etwaiger Doppelbesteuerungsabkommen oder anderer rechtlicher Möglichen realisieren.
  • Der so genannte „Cash Drag“ bezeichnet den Effekt, dass ein Indexfonds nicht immer voll investiert ist, sondern auch einen kleinen Teil Liquidität hält. Das können z.B. nicht sofort reinvestierte Dividendenzahlungen oder frisches Geld von neuen Investoren sein. Dieses Barbestände zählen zum Fondsvermögen, profitieren aber nicht von der Entwicklung des abzubildenden Index.
  • Letztendlich kann eine „gute“ Tracking Difference auch einfach eine Abbildungsungenauigkeit sein. So könnte ein ETF bei internen Umschichtungen kurzfristig nicht genau die Wertpapiere des Index enthalten, was zufällig positive, aber genauso gut auch negative Auswirkungen haben kann. Das gleiche gilt für ETFs, die sehr breite Indizes nicht komplett, sondern durch „Sampling“ abbilden (Auswahl einiger repräsentativer Werte).

Fazit

Die Tracking Differrence ist die wichtigste Performance-Kennzahl beim Vergleich von ETFs auf den gleichen Index. Sie beschreibt, wie sich ein ETF auf Jahressicht gegenüber seinem Index entwickelt hat. Einige ETFs performen besser als ihr Referenzindex indem sie ihre Kosten über Einnahmen aus Wertpapierleihe und Quellensteueroptimierungen überkompensieren.

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