Ist Dein Telefon 20.000 EUR wert?

Wohlstand wird Stück für Stück aufgebaut. Jeder kleine Beitrag zählt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie oft das vernachlässigt wird. Nehmen wir als Beispiel Thomas. Statt seine monatliche Sparrate um 50 EUR zu erhöhen, schließt er einen teuren Mobilfunkvertrag ab. Der Effekt? Thomas ist in 20 Jahren 20.000 EUR ärmer als er hätte sein können*. Hoffentlich ist es ihm das wert. Ein Auto, das 700 EUR im Monat kostet? Sind ihm hoffentlich knapp 300.000 EUR weniger Vermögen wert. Oder 1,1 Millionen, wenn wir den Betrachtungszeitraum auf 40 Jahre ausdehnen.

Die beiden wichtigsten Stellschrauben

Beim Vermögensaufbau kannst Du zwei entscheidende Dinge beeinflussen: die Zeit und die Sparrate. Grob gesagt: je früher und je mehr Du sparst, desto besser. Wenn Thomas 25 Jahre alt ist, erscheinen ihm 20 Jahre vielleicht viel. Aber tatsächlich hat er mit 45 noch viele gute Jahre vor sich. Er könnte weniger arbeiten und seinen Wohlstand genießen. Wenn er nur rechtzeitig mit dessen Aufbau angefangen und bei der Sparrate Gas gegeben hätte! Die Zeit kannst Du nicht zurückdrehen. Also starte heute mit dem Sparen, wenn Du es nicht schon getan hast. Die Sparrate kannst Du aktiv beeinflussen.

Du hast sicher schon gehört, wie man durch weniger Konsum in unserer Überflussgesellschaft nicht unzufriedener, sondern glücklicher werden kann. Versuche doch mal, in diese Richtung zu recherchieren! Wenn Du das Sparen immer nur als lästige Bürde siehst, wird es das Schicksal einer ungeliebten Diät nehmen. Wenn Du es aber verinnerlicht hast, mit weniger Konsum glücklicher zu sein, kommt die Sparrate wie von Zauberhand auf Trab. Ganz wie Deine Fitness bei einem gesunden Lebensstil, den Du liebst.

Das fehlende Fragment

Neben Zeit und Sparrate gibt es noch eine dritte Komponente, die Deinen Erfolg beim Vermögensaufbau beeinflusst. Es ist die Rendite, die Du mit Deinem gesparten Geld erzielst. Grundsätzlich gilt: mehr Rendite gibt es nur gegen mehr kurzfristiges Schwankungsrisiko. Ein gut diversifiziertes ETF-Portfolio wird Dir aber die für Dich passende Balance zwischen Rendite und Risiko bieten. Wenn Du noch kein solches Portfolio besitzt, mach Dir keine Sorgen. Der Erhöhen der Sparrate ist am Anfang viel wichtiger. Danach kommt die finanzielle Bildung und erst dann das Investieren in schwankungsreiche Anlageklassen.

Wo anfangen?

Folgender Ansatz kann Dir helfen, wenn Du es mit dem Sparen ernst meinst, aber unsicher bist, wo Du anfangen sollst. Du kannst Sparpotenziale grob klassifizieren nach ihrer Realisierbarkeit (einfach oder schwer) und ihrem Nutzen (klein/groß). Fokussiere Dich zunächst auf die Maßnahmen mit großem Nutzen und einfacher Realisierbarkeit. Das könnte z. B. die Umschuldung eines Immobilienkredits sein. Aber auch der Wechsel des Mobilfunkanbieters könnte in diese Kategorie fallen (gerade wenn Du eine Familie mit etlichen teuren Verträgen hast). Solche Maßnahmen klassifiziere ich vor allem deshalb als einfach, weil sie nur wenige, einmalige Aktivitäten erfordern. Auch wenn diese vielleicht komplex sind, wie im Fall der Umschuldung. Trotzdem sind sie für viele Menschen einfacher zu realisieren als eine spürbare Änderung in ihren Alltag zu integrieren wie ein Wechsel des Wohnorts oder des Autos.

Als nächstes sind die Maßnahmen mit großem Nutzen und schwieriger Realisierbarkeit dran. Du wirst sie wahrscheinlich in zwei Deiner größten Ausgabenblöcke entdecken: Wohnen und Transport (häufig gleichbedeutend mit Auto). Hier empfehle ich immer, nicht isoliert, sondern in Systemen zu denken. Wohnen, Arbeit und der Transport zwischen beidem ist ein Gesamtsystem, das es zu optimieren gilt. Nicht nur bezogen auf die Ausgaben, sondern vor allem auch auf die Verschwendung von Lebenszeit. Der Goldstandard ist sicher, zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit zu kommen: du bist fitter, reicher und tust sogar etwas für die Gemeinschaft.

*Annahmen: nominale Nachsteuerrendite von 5.5%, also bei 2% Inflation und Investition in Aktien-ETFs nicht unrealistische 3.5% reale Rendite pro Jahr.

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