Meine Anlagestrategie im Jahr 2021

Ab und zu werde ich gefragt nach meiner Anlagestrategie. Nach meiner Asset Allocation. Nach meiner ETF-Auswahl.
Diese Fragen beantworte ich gern, versehe sie aber mit einem Warnhinweis. Denn was für mich stimmt, passt nicht unbedingt für Dich. Mein persönliches Vorgehen ist nur eines von vielen. Ein Beispiel. Nimm es als Inspiration, vielleicht auch als Warnung. Ganz im Sinne eines «Web-logs» (die ursprüngliche Bedeutung von «Blog») werde ich hier den aktuellen Stand meiner Investmentstrategie vorstellen.

Die Grundlagen

Mein Vorgehen beim Vermögensaufbau basiert auf drei Säulen:

1) Erhöhen der Einnahmen
2) Verringern der Ausgaben
3) Investieren nach wissenschaftlichen Grundsätzen

Die ersten beiden Punkte sind extrem wichtig, viel wichtiger als beispielsweise Optimierungen Deiner ETF-Auswahl anhand der Tracking Difference. Da sie nicht im Fokus dieses Artikels stehen, hier nur wenige Anmerkungen.

Deine Einnahmen erhöhst Du am besten durch Bildung. Dabei geht es nur teilweise um das Erlangen von Zeugnissen und Zertifikaten. Klar, sie sind Türöffner und häufig unverzichtbare «Hygienefaktoren» bei der Jobsuche. Aber der Kern ist die ständige Weiterentwicklung Deiner Fähigkeiten, um anderen Menschen Nutzen zu bringen. Wenn Du diesen Nutzen steigerst, erhöht sich auch Dein Einkommen. Job- oder Branchenwechsel ermöglichen häufig größere Gehaltssprünge als sich innerhalb einer Firma «weiterzuentwickeln». Selbständigkeit gibt Dir noch mehr Stellschrauben in die eigene Hand.

Das Verringern der Ausgaben ist ein weites Feld, für das es viele Empfehlungen gibt. Wenn ich hier nur eine geben darf, dann diese: Dokumentiere Deine Ausgaben! Dauerhaft und präzise. Wenn Du weißt, wofür Du wie viel Geld ausgibst, kommen die Ideen für Einsparungen von ganz allein. Spare an Sachen, die Dir nicht wichtig sind und gib Geld ohne Reue für Dinge aus, die Dir etwas bedeuten. Allein darüber einmal nachzudenken bringt schon eine ganze Menge. Wer Sparen mit Verzicht gleichsetzt und Verzicht mit Schmerz, sollte vielleicht noch ein wenig über das Thema recherchieren.

Investieren nach wissenschaftlichen Grundsätzen

Die folgenden Passagen habe ich meinem persönlichen Investment-Manifest entnommen. Nach dem Kapitel zu den finanziellen Zielen (dem «warum») folgt das Kapitel zum Vorgehen (dem «wie»):

Ich verfolge eine aktienorientierte, passive, indexbasierte, kostenoptimierte und weltweit diversifizierte Anlagestrategie.

Aktienorientierung

Aktienorientiert bedeutet, dass Aktien die Vermögensklasse bilden, in die hauptsächlich investiert wird. Aktien sind Sachwerte und ermöglichen die Beteiligung am Produktivkapital einer Gesellschaft. Sie haben historisch betrachtet die höchsten Renditen aller Vermögensklassen erbracht (und mussten, hinreichende Diversifizierung vorausgesetzt, anders als Staatsanleihen nie einen Totalverlust erleiden). Diese Renditen setzen sich zusammen aus Wertsteigerungen, Dividenden und der Inflation. Korrektes Investieren in Aktien hat nichts mit Spekulieren zu tun und besitzt langfristig ein attraktives Rendite-/Risikoprofil.

Passives, Indexbasiertes Investieren

Passiv bedeutet: es findet kein aktives Hin- und Herverschieben von Geld zwischen Assetklassen oder Einzelwerten auf Basis von Prognosen statt. Denn «Market Timing» funktioniert nicht. Verkauft wird in der Vermögensaufbauphase nur zu Zwecken des Rebalancings bzw. des Value Averagings.

Frisches Kapital wird regelbasiert in die Vermögensklasse mit dem höchsten «Rebalancing-Bedarf» (Abweichung vom prozentualen Sollwert am Vermögen) investiert. Die genauen Regeln, nach denen frisches Kapital investiert wird, können jedes Jahr neu festgelegt werden. Es sind folgende Ansätze denkbar:

  • Das komplette neu verfügbare Kapital investieren
  • feste Summen investieren («Cost Averaging»)
  • Value Averaging: der monatliche Vermögenszuwachs wird a priori geplant. Je nachdem, wie gut sich die Märkte entwickelt haben, wird dann jeden Monat mehr oder weniger frisches Kapital investiert. Das führt dazu, dass man nach Kursstürzen überdurchschnittlich viel kauft und in steigenden Märkten weniger investiert. Dies kann man auch «systematisch antizyklisches Investieren» nennen.

Indexbasiert bedeutet: Investiert wird in (börsengehandelte) Indexfonds. Sinnvolle Indizes bilden die durchschnittliche Rendite eines Marktes ab und eliminieren durch Diversifizierung sämtliche Unternehmens-, Sektor- und Länderrisiken. Es werden keine Einzelwerte ausgewählt in der Hoffnung, den jeweiligen Vergleichsindex zu schlagen. Denn «Stock Picking» funktioniert ebensowenig wie Market Timing.

Stock Picking und Market Timing sind genau die beiden Instrumente, die aktiv gemanagten Aktienfonds zur Verfügung stehen, um eine Überrendite zum Vergleichsindex zu erwirtschaften. Aus Sicht des Anlegers müssen sie den Vergleichsindex sogar Jahr für Jahr schlagen, allein um ihre Managementgebühr zu rechtfertigen. Das gelingt aber höchst selten und ist statistisch betrachtet nicht von Glück zu unterscheiden. Manche Fonds schlagen den Vergleichsindex über mehrere Jahre spektakulär. So wie es in einer hinreichend grossen Gruppe von Probanden viele Leute geben wird, die bei fünf Versuchen fünf Sechsen würfeln. Fonds und Würfler haben gemeinsam, dass eine Glückssträhne nichts über die Zukunft aussagt. Bei den Fonds ist zusätzlich noch das für die erzielte Rendite eingegangene Risiko zu betrachten. Dass erfolglose Fonds früher oder später geschlossen werden, verzerrt das Bild zusätzlich («Survivorship Bias»). Frühe Erklärungsansätze für die Unmöglichkeit, den Markt zu schlagen bieten die Effizienzmarkthypothese sowie die Random-Walk-Theorie. Man geht heute zwar nicht mehr von komplett rationalen Marktteilnehmern aus, sondern akzeptiert, dass es «ungerechtfertigte» Übertreibungen der Marktpreise in beide Richtungen gibt. Solche Phänomene werden unter dem Schlagwort «Behavioral Finance» untersucht. Ausnutzen kann man diese Effekte aber trotzdem nicht. Denn Blasen und Crashs sind schwer im Voraus zu erkennen und noch schwerer effektiv zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Kostenoptimierung

Kostenoptimiert bedeutet: die laufenden Kosten werden minimiert, denn diese schmälern den Gewinn. Die jährlichen Kosten von Indexfonds belaufen sich auf ca. 0.1% bis 0.75%, ein Ausgabeaufschlag entfällt. Depot- und Ordergebühren des Brokers werden regelmässig auf den Prüfstand gestellt.

Weltweite Diversifizierung

Weltweit diversifiziert bedeutet: es wird in alle Regionen der Welt investiert, in denen das sinnvoll möglich ist. Die gebräuchlichste Einteilung lautet Europa, Amerika, Asien/Pazifik und Emerging Markets. Weiterhin wird in mehrere Assetklassen investiert: Anleihen, Aktien und in kleinen Mengen auch Rohstoffe und Immobilien (über REITs). Es werden verschiedene Asset-Unterklassen berücksichtigt. Bei den Aktien sind das neben der regionalen Aufteilung noch «Small Caps» (geringe Marktkapitalisierung = kleine, innovative und eher wachstumsstarke Unternehmen) und «Value» (eher große, dividendenstarke Unternehmen mit geringem Kurs/Buchwert-Verhältnis). Diese beiden «Faktoren» («Small Cap» und «Value») haben in der Vergangenheit, über lange Zeiträume betrachtet, Überrenditen gegenüber dem breiten Markt ermöglicht.

Für Small Caps spricht, dass diese Unternehmen nicht in den Standard-Indizes enthalten sind. Anders als bei Value nimmt man hier keine Übergewichtung bestimmter Unternehmen vor, sondern fügt sie überhaupt erst einmal dem Portfolio hinzu.

Für Value spricht aktuell (Anfang 2021) die massive Underperformance der letzten 10 bis 20 Jahre gegenüber dem breiten Markt (dessen Performance primär von den Tech-Unternehmen getragen wurde). Genereller gesprochen: für die Verwendung von Unter-Assetklassen spricht die Hoffnung, dass sie sich zyklisch verhalten und ein Rebalancing zwischen ihnen die Rendite steigert. Selbst wenn z. B. Value selbst langfristig gar keine Zusatzrendite beschert.

Meine konkrete Asset Allocation

Folgende Grafik fasst meine aktuelle Asset Allocation und ETF-Auswahl zusammen:

Die Aufteilung des betrachteten Vermögens auf Assetklassen:

  • 80% Aktien (A)
  • 5% Rohstoffe (R)
  • 15% Anleihen & Cash (AC)

Das ist eine relativ aggressive Aktienquote, die in der Vergangenheit sogar noch etwas höher war. Ich erlaube mir, diese Quoten alle paar Jahre anzupassen. So, dass ich damit gut leben kann. In den Corona-Crash bin ich mit 82% Aktienquote hineingegangen und haben in keiner Nacht schlecht deswegen geschlafen. Die Quote hat also zu meinen Lebensumständen gepasst. Das würde vielleicht anders aussehen, wenn ich kein aktives Einkommen mehr hätte – wer weiß. Ich habe den Dotcom-Crash (ganz klassisch mit Einzelaktien und quasi Totalverlust), die Finanzkrise 2008 (schon mit ETFs) und den März 2020 miterlebt. Insbesondere das erste Jahrzehnt hat mich irgendwie abgehärtet, obwohl da noch nicht viel Geld im Spiel war.

Übrigens betrachte ich hier nur das, was ich das «selbstverwaltete Investmentportfolio» nenne. Private Vorsorgeguthaben (Säule 3a über VIAC und andere Anbieter), Pensionskassenguthaben, Ansprüche auf staatliche Altersvorsorge, Girokonten, Mietkautionskonten, Bausparverträge, direkte Sachwerte, Girokonten usw. gehören zwar zum Gesamtvermögen, werden hier aber nicht berücksichtigt.

Anleihen und Cash

Den Anleihenteil decke ich mit AAA-Staatsanleihen aus dem Euroraum und den USA sowie mit Inflationsgeschützten Anleihen ab. Der Cashanteil liegt auf diversen Verrechnungskonten, weil ich im Moment keinen Nutzen darin sehe, ETFs auf Anleihen mit teilweise negativer Rendite zu erwerben. Das ist schon eine gewisse taktische Überlegung (Timing!) und nicht die reine passive Lehre, aber diese Freiheit gönne ich mir.

US-Anleihen habe ich zuletzt gekauft, als die Renditen dort gut 3% betrugen (das war 2018). Die Inflationsgeschützten AnleihenTIPS«) besitze ich aus historischen Gründen (nach der Lektüre von Swensen meinte ich, davon auch einen Schluck nehmen zu müssen). Mittlerweile ist der Anteil mit 2% so klein, dass er komplett sinnfrei ist und bei der nächsten Gelegenheit verkauft wird. Das ist nur das erste Anzeichen dafür, dass ich in der Vergangenheit über jeden Grenznutzen hinaus diversifiziert habe, nur um möglichst viele Assetsubklassen zu besitzen. Immerhin habe ich keine Emerging-Markets-Anleihen und Unternehmensanleihen mehr!

Rohstoffe

Weiter geht es mit dem Rohstoffanteil. Hier setze ich auf Gold und Goldminenaktien. Früher besaß ich auch ETFs mit Rohstoff-Futures, aber davon bin ich geheilt. Die verbleibenden 5% im «Rohstoff»-Bereich sind eigentlich auch nur noch Liebelei.

Von ETFs auf physisches Gold bin ich fast so wenig überzeugt wie von physischem Gold selbst. Trotzdem hab ich noch ein paar Anteile eines solchen ETFs – wieder ein Überbleibsel aus früheren Zeiten.

Goldminenaktien sind grundsätzlich interessant wegen ihrer geringen Korrelation zu anderen Assetklassen. Ich habe hier schon mehrfach erfolgreich rebalanciert (niedrig gekauft, hoch verkauft). Das fühlt sich im jeweiligen Moment zwar gut an. Aber bei weniger als 5% macht das für das Gesamtportfolio nicht viel aus. Und deshalb verbuche ich das ganze als Spielerei.

Zwischenfazit: ich habe jetzt schon fünf Investments und den Cashanteil erwähnt. Ja, das ist meine Realität. Nein, Du solltest das nicht nachmachen. Es ist grösstenteils nutzlos, und wenn Du den Verwaltungsaufwand mit einbeziehst vielleicht sogar schädlich. Ein einziger ETF auf Euro-Staatsanleihen oder auch nur Cash (solange im Einlagensicherungsbereich) reichen für die meisten Anleger aus, um die Klasse «Anleihen & Cash» abzudecken! Wozu US- oder Inflationsgeschützte Anleihen in homöopathischen Dosen? Auch die 5% Goldminenaktien sind grenzwertig und nicht wirklich wissenschaftlich begründbar. Wir sehen hier den Unterschied zwischen einem lebendigen, gewachsenen Portfolio und einem theoretischen Musterportfolio.

Aktien

Kommen wir nun zum wichtigsten Aspekt, dem Aktienanteil. Ich unterteile diesen zunächst in «Aktien» und «Immobilien».

Der «Immobilien«-Teil wird über Immobilienaktien abgebildet, daher diese Gruppierung. Die relative Aufteilung ist 92% zu 8%. Das heisst, vom 80%igen Aktienanteil sind 8% Immobilienaktien (Spalte «rel»), also 6.4% des Gesamtportfolios (Spalte «abs»).

Jeweils 50% der Immobilien-Investitionen fließen in einen ETF auf europäische Immobilien und einen auf globale Immobilien. Die resultierenden 3.2% pro ETF sind wieder so gering, dass die Aufteilung aus Diversifizierungsgesichtspunkten wenig Sinn ergibt. Überhaupt ist der Sinn einer Übergewichtung von REITs bzw. Immobilienaktien fragwürdig, da sie ja bereits in den breiten Marktindizes vertreten sind. Wieder ein Beispiel dafür, dass ich es mit der vermeintlichen Diversifizierung früher etwas übertrieben und bisher noch nicht aufgeräumt habe. Allerdings unterschreitet auch keine einzige Position im Portfolio die Marke von 10000 EUR.

Der Gipfel der Kleinteiligkeit erreichen wir nun im «normalen» Aktienanteil. Dieser wird zunächst nach Regionen gegliedert. Hier lautet die Aufteilung:

Woher kommen diese Zahlen? Ich habe sie einfach festgelegt! Ich habe die Möglichkeiten zur Kenntnis genommen, nach Bruttoinlandsprodukt (BIP) oder nach Marktkapitalisierung zu gewichten. Da es dabei keinen klaren Gewinner gibt, habe ich einfach etwas in der Mitte genommen, zu dem mein Bauchgefühl OK gesagt hat. Wichtig ist, an den gewählten Zahlen festzuhalten, um vom Rebalancingeffekt profitieren zu können.

Small Cap und Value

Als ich meine Strategie erarbeitet habe, habe ich zahlreiche einschlägige Bücher und Artikel gelesen. Der Grundtenor der Literatur war, dass Small Cap– und Value-Aktien eine sinnvolle Sache sind. Überzeugt von empirischen Daten und sachlogischen Erklärungen habe ich also entsprechende «Detailklassen» ins Portfolio eingebaut. Ca. 30% des Kapitals gehen pro Region in einen Small Cap-ETF. Bei Asien/Pazifik und Emerging Markets sind nur 20% für den jeweiligen ETF vorgesehen. Denn hier verwende ich jeweils einen «IMI» (Investable Market Index)-ETF, der nicht nur den Hauptmarkt abdeckt, sondern auch gut 10% Small Caps enthält. Auch hier ist die Kritik berechtigt, dass ETFs mit 1.6% bzw. 3.4% Gesamtanteil keinen nennenswerten Beitrag leisten. Weder zur Diversifikation noch zur Rendite.

Value-ETFs verwende ich nur für die Regionen Europa und Nordamerika, jeweils mit einem relativen Anteil von 25%. Für die beiden anderen Regionen gibt es keine brauchbaren Value-ETFs. Außerdem wäre hier der absolute Anteil wieder unterhalb der Grenze des Sinnvollen.

Breite Marktabdeckung mit Core-ETFs

Den Großteil der Investments pro Region geht mit 45% in einen sogenannten Core-ETF. Viele ETF-Anbieter verwenden diesen Begriff für jene Fonds, welche die Hauptbestandteile des jeweiligen Marktes abdecken (in meiner Grafik verwende ich den Ausdruck «Main»). Zu diesem Zweck kommen meist Standardindizes vom Anbieter MSCI zum Einsatz, z. B. der MSCI Europe für den europäischen Aktienmarkt.

Nordamerika decke ich über den S&P 500 ab. Dieser umfasst nur die USA. Man könnte erwarten, dass ich noch den MSCI Canada dazu nehmen würde, um Nordamerika präziser abzubilden. Oder komplett auf den MSCI North America setzen würde. Das mache ich aber nicht, weil Kanada nur einen kleinen Teil des nordamerikanischen Markts ausmacht und die Korrelation zwischen beiden Märkten ziemlich hoch ist. Außerdem sind im verwendeten Goldminen-Index vor allem kanadische Unternehmen vertreten. Und auf den MSCI North America Index gibt es keine ETFs, die mich überzeugen.

Um den Raum Asien/Pazifik abzudecken, verwende ich den MSCI Japan IMI und den MSCI Pacific ex-Japan im Verhältnis von ca. 2/3 zu 1/3, was einer ungefähren Gewichtung nach Marktkapitalisierung entspricht.

In die Emerging Markets investiere ich über den MSCI Emerging Markets IMI.

Woher kommt die Aufteilung Main/Small Cap/Value von 45%/30%/25%? Auch dies ist wieder eine willkürliche Festlegung. Angefangen habe ich mit jeweils einem Drittel. Mit der Zeit kam mir die Übergewichtung der Value-Aktien dann doch etwas stark vor, so dass ich den Prozentsatz entsprechend gesenkt habe. Das ist eigentlich keine gute Sache, weil ich nicht konsequent in die underperformende Assetklasse investiert bzw. rebalanciert habe.

Die ETF-Auswahl

Bei den ETFs bevorzuge ich physische Replikation und thesaurierende Varianten. Die physische Replikation ist ein Wohlfühlfaktor, ausserdem bewegt sich der Markt in diese Richtung. Alle meine ETFs sind folglich physisch replizierend. Weiterhin bevorzuge ich Thesaurierung, weil das die Buchhaltung vereinfacht. Nur 10% der gewählten ETFs schütten aus, weil es von ihnen keine thesaurierenden Varianten gibt.

Anbieterseitig bin ich im Laufe der Zeit immer mehr bei iShares gelandet (knapp 70%). In Bezug auf Tracking Difference, Fondsvolumen und Kontinuität liegen deren ETFs im meinen Augen häufig vorn. Manchmal ist iShares sogar der einzige Anbieter, z. B. bei den Indizes MSCI Japan IMI, MSCI Japan Small Cap und MSCI Emerging Markets IMI. Ähnliches gilt für SPDR, die den einzigen thesaurierenden ETF auf MSCI Emerging Markets Small Cap Index anbieten.
Wenn es die IMI-ETFs vor Anfang an gegeben hätte, hätte ich wahrscheinlich auf die Small Caps-ETFs für die Regionen Asien/Pazifikraum und Emerging Markets verzichtet.

Wen die konkrete ETF-Auswahl inkl. ISINs interessiert, kann sie hier nachschlagen. Den Cash-Anteil habe ich dort dem Lyxor-EuroMTS-ETF zugeschlagen, die Vanguard- und Raiffeisen-ETFs habe ich nicht abgebildet.

Die Kosten

Im Durchschnitt liegt die Verwaltungskostenquote (gewichtete TER) meines Portfolios bei unter 0.25%, die Tracking Difference bei 0.05% (berechnet als arithmetischer Durchschnitt der Jahreswerte von 2015 bis 2020).

Depotgebühren zahle ich bei keinem Broker. Die sonstigen Gebühren halte ich tief, indem ich die Transaktion wenn möglich über mein DEGIRO-Depot abwickle und in den anderen Depots so gut wie keine Veränderungen vornehme*.

Sparpläne verwende ich selbst seit einigen Jahren nicht mehr. Ich habe damit über zehn Jahre lang Vermögen aufgebaut. Mittlerweile haben die Orders eine Größe erreicht, bei der die manuelle Ausführung mit Limit günstiger ist. Einsteigern und allen, die sich wenig mit ihren Investments befassen wollen, empfehle ich Sparpläne aber wärmstens. Nach dem Motto: Anfangen, zehn Jahre laufen lassen, dann nochmal evaluieren.

Fazit

Meine Anlagestrategie ist aktienorientiert, passiv, indexbasiert, kostenoptimiert und weltweit diversifiziert. Ihre Prinzipien sind gut begründet. Sie hat sich in der Praxis seit vielen Jahren und über etliche Krisen hinweg bewährt. Dass sie persönlich zu mir «passt» ist ein ganz wichtiger psychologischer Faktor.

Die Kosten sind dank der niedrigen Gebühren des Brokers DEGIRO und der Berücksichtigung der Tracking Difference bei der ETF-Auswahl sehr niedrig.

Die Diversifizierung ist teilweise übertrieben. Die Beimischung von Goldminen- und Immobilienaktien, Staatsanleihen in Fremdwährung, inflationsgeschützten Anleihen und sogar die Verwendung von Value-Aktien darf gern kritisch hinterfragt werden. Lediglich auf den Small Cap-Anteil würde ich nicht verzichten. Im Vergleich zu Einzelaktienportfolios, die selbst mit 100 Positionen schlechter diversifiziert wären, erscheint meine ETF-Anzahl wiederum vertretbar.

* Warnung: DEGIRO, Interactive Brokers etc. sind nichts für Anfänger. Wer Unterstützung benötigt und sich davor scheut, sich mit Steuerthemen auseinanderzusetzen, ist hier definitiv falsch und zahlt lieber ein paar Gebühren mehr. Fange lieber einfach an und optimiere später, wenn das Portfolio eine beträchtliche Grösse erreicht hat. Hier passt ein Zitat des berühmten Informatikers Donald Knuth: «premature optimization is the root of all evil».

4 Gedanken zu „Meine Anlagestrategie im Jahr 2021“

  1. Moin Eberhard,

    danke fuer das Teilen deiner gereiften, komplexen Anlage-Strategie.

    Laesst du zufaellig einen MSCI ACWI oder Vanguard All World ETF als Referenz gegen den Aktienanteil in deinem Depot mitlaufen, und kannst etwas zur Unterperformance deines Depots gegenueber diesen sagen?

    Eine Frage noch zum Rebalancing/Value Averaging. Giltst du als schweizer Steuerbuerger und brauchst deshalb keine Steuern auf Kursgewinne beim Umschichten/Verkaufen bezahlen, oder?

    LG
    Joerg

    Antworten
    • nein, ich habe keinen verlässlichen Benchmark-Vergleich. Ich müsste dazu ja ein Portfolio simulieren, bei dem alle Zahlungsströme nicht in oder aus den realen ETFs, sondern in oder aus einem ACWI-ETF fliessen. Denkbar, aber aufwändig. Meine IRR seit Anfang 2018 ist übrigens ca. 7.5%.

      Und Kursgewinne sind in der CH steuerfrei, ja. In D gab es früher mal die Spekulationsfrist, nach der das auch der Fall war. Aber das wurde zu Ungunsten der Kleinsparer abgeschafft.

      Antworten
  2. Hey,
    Vielen Dank für diesen tollen Artikel – es ist immer spannend zu lesen, welche Gedanken in solche Portfoliostrukturen fließen. Ich nutze Portfolio Performance und habe mir dort dann einmal ein Vergleichsdepot eingerichtet mit einem 70/30 World/EM Ansatz und lasse das als Benchmark gegen mein Depot mitlaufen.

    Eine Frage zum Rebalancing. Wie oft führst du das durch und bevorzugst du eher die Sparplanrate/Zukäufe dann in die Underperformer zu stecken oder tatsächlich gut gelaufene Positionen anteilig zu verkaufen?

    Wenn du heute neu starten müsstest mit all der Erfahrung die du nun hast, welche Learning würdest du ziehen bzw. wie sieht dein ideales Portfolio heute aus?

    Viele Grüße

    Antworten
    • Danke für Deine Fragen Enrico.
      Zum Rebalancing: das mache ich im Rahmen des Value Averagings (siehe meine zwei Artikel zu dem Thema). Ich schaue monatlich, wie viel Geld investiert oder deinvestiert werden muss. Dann werden die Position nachgekauft bzw. verkauft, die am weitesten von der Zielallokation entfernt sind.

      Heute würde ich mein Portfolio immer noch recht ähnlich strukturieren. Wäre ich gezwungen, zu vereinfachen, wäre das die ToDo-Liste:

      – Inflationsgeschützte Anleihen raus
      – US-Anleihen raus
      – Japan Small Cap raus
      – Emerging Markets Small Cap raus
      – mindestens einen der zwei Immobilien-ETFs raus
      – Value-ETFs raus
      – Gold-ETFs raus

      Dann wären wir ungefähr bei diesem Musterportfolio mit sechs ETFs:
      https://www.trackingdifferences.com/Portfolio/Beispiel/IE00BKM4GZ66:35000,IE00B4L5YX21:10000,IE00B5BMR087:25000,IE00BKWQ0Q14:20000,IE00BJ38QD84:5000,LU0322253906:5000

      Mehr ETFs bieten evtl. mehr Rebalacing-Chancen. Das ist natürlich im Verhältnis zu Verwaltungsaufwand und -kosten zu sehen.
      Wenn ich eine Faustformel nennen müsste, dann wäre das
      Anzahl ETFs = abrunden(Portfoliogrösse / 50000 EUR) + 2.

      Bis 50k Portfolio maximal zwei ETFs.
      Bis 100k sind drei ETFs OK.
      Im Millionenportfolio kann man sich dann ruhig mit über 20 ETFs austoben.

      Aber wie gesagt: erst wenn man sich bestimmte Regeln und Strategien zu eigen macht, erst wenn man felsenfest dahinter steht, und erst wenn man niemanden anderen als sich selbst für seine Entscheidungen verantwortlich macht – erst dann ist man bereit, langfristig erfolgreich zu sein. Das ist viel wichtiger als die Details der Regeln und Strategien.

      Antworten

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